Dein leichenwagen
Du mensch mit dem abglanz des todes auf deinem antlitz, mit deiner faust voll wahnsinn und deinem kopf voller traumgespinnst! Du niemals zahlen wollender fahrgast im karussell der spiralarme einer unermesslichen galaxie, du erdbewohner mit deiner zerschlagenen, brennenden behausung, du ungeduldig harrender in der alles zermalmenden maschinerie, du wartegeist, du bückgeist, du ungeist — wenn du ohren hast zum hören, dann höre:
Du krampf, du selbst, du fleischige narzisse! Dein warmer kopf verheisst dir fieberträumende ewigkeiten, und du schaffst dir neblige gottheiten aus denkdunst, geld und technik. Nenn dein eigenes geschöpf den schöpfer, setze dich auf den lügenthron deiner herrlichkeit, sing lauter das jubellied des fortschritts, du narr!
Denn es bleibt stumm, wenn du zu deinem gott rufst, um dich damit zum gott zu machen. Stumm wie der erstickte schrei aus deiner hoffnungslos hoffenden seele. Stumm wie das schweigen der mampfenden, alles konsumierenden massen, in denen du mit deinem irrlicht leuchtturm spielen willst. Stumm wie die mühlsteine der zeit, die als kalte maschine den staub mahlen, aus dem deinesgleichen gemacht ist. Lausche doch nur einmal dem wohlklang der stille, der realität, du sekundenwesen!
Du eifernder hausierer der todesangst, der verlorenen lebenslust, der gier und der nichtsigen schwingen empor! Du hämmernd schmied der schweren ketten für die seele! Du gläubiger mit deinen notleidenden, selbst geschriebenen wechseln! Da ist kein wärmendes vaterherz erbaut aus deiner hirngeborenen macht und herrlichkeit. Da bist nur du selbst. Da ist nur hier. Da ist nur jetzt. Und du bist hier allein mit deinem unendlichen kindischen stolz, nur manchmal abgelenkt und unterhalten und zum schein etwas wacher. Einsam, verlassen und verkauft und doch rosaglittrig träumend im brennenden bett. Du und dein gieriges rauchopfer von schwarzöl, erdpech und ausbrennenden atomen. Es stinkt zum himmel, wenn du alles um dich herum zur asche machst für deinen gott aus geld.
Und das einzige licht, welches den rauchigen nebel zwischen dir und der dunklen ungewissheit des immer wieder morgen durchdringt, es ist die gleißende nebelschlussleuchte eines leichenwagens, dem du voller hoffnung folgst.