Rückblick und Download: Die Werbelesung

Zunächst einmal: Vielen Dank für die rege Anteilnahme an meiner „Werbelesung“ auf der Whitedarkness 11. Selten nur kam mir mein Material so fragmentarisch und ungenügend vor, obwohl ich einen so hohen Aufwand an Zeit und Mühe hineingesteckt habe. Auch erschienen mir meine vielen kleinen Witze zum Wahnsinn der Werbung fast schon deplatziert, handelt es sich doch um eine recht ernste und ziemlich deprimeierende Form der gezielten Massen-Manipulation. Aber wenn der Wahnwitz dieser einseitigen Kommunikationsform bloßgestellt wird, kann er eben auch recht witzig sein.

Viele Gespräche, die ich nach der Lesung geführt habe, haben mir das Lachen beinahe wieder vergehen lassen. Es waren doch etliche Zuhörer, die sich vor allem erheitert haben, die aber nicht verstanden haben, wie ernst und wirkmächtig die in der Lesung beschriebenen Formen des Mindfucks sind. Einige wurden nach der Lesung gar nicht müde, mir gegenüber „gute“ Formen der Werbung zu beschreiben, während ich durchaus müde wurde, so etwas richtig zu stellen. Tatsächlich glaubte ich manchmal, dass diese Menschen jemanden anders lesen gehört haben müssen. Aber trotz allem: Es überwog die Zustimmung, die manchmal sogar mit neuem Bewusstsein für diese allgegenwärtige Gehirnwäsche einher ging. Und das freut mich.

Ich habe schon während der Arbeit am Material beschlossen, mein Lese-Manuskript hier zum freien Download zur Verfügung zu stellen, damit jeder in aller Ruhe noch einmal nachlesen kann. Natürlich entspricht dieser Text nicht genau meinem Vortrag auf der Bühne, weil ich dort viele Ergänzungen und spontane Nebenbemerkungen eingeflochten habe, und es handelt sich auch nicht um einen sprachlich geschliffenen Text, sondern um einen kurzen, strukturierten Abriss, der in überwiegend einfachen, der Umgangssprache angelehnten Sätzen geschrieben wurde, damit er sich leicht vorlesen lässt. Ich denke aber, dass diese in der Natur eines solchen Hilfsdokumentes liegenden Unvollkommenheiten keine so große Rolle spielen — denn was ich zu sagen hatte, wird auch daraus klar.

Leider ist das bei der Lesung verwendete Bild- und Filmmaterial im Dokument nur angedeutet. Und leider kann ich es nicht so einfach als ergänzendes Material zur Verfügung stellen, da es sich natürlich um urheberrechtlich geschützte Werke handelt. Wer die aktuelle Werbung, vor allem die aktuelle Fernsehwerbung kennt, wird jedoch erkennen, welches Material verwendet wurde. Die bildhafte Methodik der Werber ist übrigens oft erstaunlich unkreativ, so dass sich die beschriebenen Formen des geldwerten Unsinnes in vielen Werbespots wiederfinden lassen.

Wer mehr von meiner beinahe täglichen Auseinandersetzung mit illegalen Formen der Werbung (Spam in jeder Form) und mit besonders hirnlosen Beispielen legaler Werbung mitbekommen möchte, sei auf das Blog „Unser täglich Spam“ verwiesen.

3 Reaktionen zu “Rückblick und Download: Die Werbelesung”

  1. Metalmaster am 7. November 2007 um 15:37 Uhr

    Ein mehr als gelungener Abend lieber Elias.
    Ich muss sagen das mich ein Satz von dir wirklich nachdenklich gemacht hat.
    „Werbung wird von erfolgreichen Geschäftsleuten gemacht. Und erfolgreiche Geschäftsleute investieren nicht in etwas das nicht funktioniert.“
    Daran sollte man wirklich mal denken wenn man glaubt das man auf die Werbetricks nicht reinfällt.

  2. Whitedarkness » Blog Archiv » Videos der Werbelesung am 11. November 2007 um 16:38 Uhr

    […] Videos der Werbelesung « Rückblick und Download: Die Werbelesung […]

  3. » Manchmal erlebt man auch dann eine bitte … Nachtwächter-Blah am 29. April 2008 um 16:17 Uhr

    […] demnächst daran verrecken. Das wäre mir ja normalerweise völlig egal, aber in meiner Werbelesung auf der Whitedarkness hat diese Frau eine 15minütige Würdigung gekriegt, weil sie äußerst […]

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