Schwarzer Nasser Schmerz
Mein neues Album Schwarzer Nasser Schmerz steht ab sofort zum Anhören und zum freien Download zur Verfügung.
In gewisser Weise ist es ein völlig anderes Album als meine bisherigen geworden. (Angstraum sei hiervon einmal ausgenommen, diese drückende Landschaft aus Klang habe ich ja für eine Installation gebaut, und sie ist auch sehr der Akustik des benutzen Raumes angepasst. Deshalb klingt sie auch etwas seltsam.) Das liegt an seiner Entstehung, die eine recht „schwierige Geburt“ war. Ich arbeite ja sonst sehr schnell, wenn ich etwas ausgebrütet habe; dies war bei Schwarzer Nasser Schmerz nicht möglich. Die ersten Entwürfe der Stücke habe ich schon vor über einem Jahr auf Notizzetteln angefertigt, einen Großteil des verwendeten Klangmateriales hatte ich auch bereits vorsortiert und für seine Verwendung bearbeitet, aber ich bin wegen verschiedener Schwierigkeiten immer wieder aus diesem Werk herausgeholt worden und musste mich anschließend wieder neu einhören. So geriet die ganze Arbeit an etwas, was ich bereits fertig konzipiert hatte und „nur noch“ zu machen brauchte, außerordentlich zäh. Tatsächlich fällt mit der heutigen Veröffentlichung eine gewisse Last von mir ab.
Dem Album selbst merkt man solche Schwierigkeiten (hoffentlich) nicht mehr an. Wie von mir gewohnt, handelt es sich um sehr minimale, am Computer erstellte Musik, die aber meist nicht nach einer „Computermusik“ im Sinne von Techno klingt. Die wiederholten Passagen mit nur minimalen Klangvariationen schaffen eine melancholische Stimmung, in der sich die eingefangene Kälte ausbreiten kann und fühlbar wird. Anders als bei mir üblich gibt es diesmal allerdings auch relativ viel Text, der von dadaistisch anmutender Lyrik bis hin zu einem aus der melancholischen Freude eines entsinnten Lebens singendem, kurzem Lied in Weißes Kaltes Licht reicht. Der Stimme ist dabei oft (aber nicht immer) durch Nachbearbeitungen jegliche Lebendigkeit entzogen worden. Diese schwer interpretierbare Form der Mitteilung wird durch Verwendung diverser, kurzer Tonschnipsel in einem Kontext gestellt, der im Verlauf des Albums eine hinreichend hoffnungslose Stimmung erzeugt, die hoffentlich auch daran erinnert, dass es nur einen Zeitpunkt zum Handeln gibt: Jetzt.
Natürlich ist diese Art von Musik nicht jedermanns Geschmack, wer sich von dieser Beschreibung abgeschreckt fühlt, sollte sich das Album besser nicht anhören. Die oft extreme Langsamkeit der Stücke lässt einen bewusstlosen Bewegungsdrang gar nicht erst aufkommen. Das abschließende Molochlied fällt bewusst aus diesem Rahmen, es soll der unverschämt bequemen Resignation im Schmerz entgegen wirken, selbst dort noch, wo jedes Tun als völlig wirkungslos erscheint.