The Meek shall Inherit the Earth

Computergrafik von Elias Schwerdtfeger: The Meek shall Inherit the Earth

Ein paar Erläuterungen zu diesem abstrakten Werk scheinen erforderlich zu sein.

Das Bild heißt etwas frei nach Mt. 5, 5 „The Meek shall Inherit the Earth“ (zu deutsch: „Die Sanftmütigen werden die Erde erben“). Durch diese Namensgebung, die im krassen Widerspruch zu der täglich beobachtbaren Weise steht, in der sich Gewalttäter die Erde zueigen machen, wird das Werk in den Kontext uralter Erlösungshoffnungen gestellt, die eine bessere Welt für alle als ein göttliches Wunder erwarten.

Doch das im Bilde Dargestellte scheint zunächst keinen Bezug zu diesem Titel zu haben. Im Zentrum des Bildes liegt eine golden glänzende Kugel auf einer vollkommen unverständlichen mythischen Landkarte — es handelt sich um die Seite f85v2 aus dem bis heute unentzifferten Voynich-Manuskript — die eher ein Abbild psychischen Materiales als ein Abbild der wirklichen Welt zu sein scheint. Diese „Landkarte“ spiegelt sich in der sehr unwirklich scheinenden Kugel wider und bekommt in diesem Vorgang des Spiegelns ebenfalls einen güldenen Farbton. Diese Anordnung ist umgeben von zwei recht trüben Spiegeln, die sie in vielen Kopien wiedergeben, so dass alternierend die helle, beleuchtete Seite der Kugel und die dunkle, unbeleuchte Seite einer kalten Kugel sichtbar wird, die eine im Psychischen verbliebene Welt widerspiegelt.

Würde sich die Kraft des Lichtes nicht in der mangelnden Reflexionsfähigkeit dieser Spiegel verlieren, so könnte die Wiedergabe in einem unendlichen Prozess das immer wieder gleiche hervorbringen: eine glänzende Kugel, die durch einen selbstbezüglichen Prozess in die Unendlichkeit einer Spiegelkammer voranschreitet. Doch das Licht läuft sich an der Wirklichkeit tot, und aus der Spiegelung einer farbigen, psychischen Landkarte im Goldglanz wird in diesem Prozess an einem Punkt, der zwar außerhalb des Bildes liegt, aber dennoch im Fortschreiten erahnbar ist, ein gestaltloses, erschlafftes Grau, dass sich in der Dunkelheit verliert — ein Abbild der Welt, die den Sanftmütigen, Kraftlosen und Hoffenden wirklich und wirksam zuteil wird.

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